Bundesvorsitzender Christian Lindner feiert mit Celler FDP

CZ – 07.09.2016
Auch die FDP kritisiere die Regierungen in Berlin und Hannover, aber „wir sprechen ihnen nicht die Legitimität ab oder stellen gar das System in Frage“, sagte der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner gestern bei seinem Besuch im Thaers Wirtshaus in Celle in Richtung AfD, „wenn einem das Bier in der Kneipe schmeckt, trinkt man dann aus Protest aus der Toilette? – Das würde ich ihnen nicht raten, da es die Gesundheit gefährdet und zudem gibt das kein schönes Bild.“ Lindner war nach Celle gekommen, um dem Kreisverband zum 70. Geburtstag zu gratulieren.
CELLE. „Sieben Jahrzehnte liberale Politik vor Ort sind ein Grund stolz zu sein, aber auch das Jubiläum für sich – egal bei welcher Partei – zeigt die Erfolgsgeschichte“, sagte der Fraktionsvorsitzende der Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen, „wir können stolz sein, in einer lebendigen Demokratie zu leben.“ Außerdem sei ein solcher Geburtstag ein guter Anlass, Dankbarkeit für Jahrzehnte langes ehrenamtliches Engagement zu zeigen. Landrat Klaus Wiswe, der passend zum Anlass eine gelbe Krawatte angezogen hatte, hatte in seiner Laudatio zuvor, darauf hingewiesen, dass die FDP im Kreistag oft das Zünglein an der Waage gewesen sei und dabei die Finanzen stets im Auge gehabt hätte.

Bei seinem Ritt durch die Geschichte der Bundesrepublik, die die FDP mitgestaltete, schlug Lindner anschließend immer wieder den Bogen zu heute. „Damals hieß es, dass die Sozialisierung die größte Gefahr ist“, sagte Lindner, „das glaube ich nicht: Die größte Gefahr ist die Bürokratie – in jedem Winkel unseres Alltags.“ Und auch der ehemalige Koalitionspartner im Bund bekam von redegewandten Parteivorsitzenden sein Fett weg. „Horst Seehofer sagt, dass in einer Demokratie Sicherheit das Wichtigste sei. Das stimmt aber nicht: Das Wichtigste ist Freiheit“, sagte Linder, „wir brauchen keine Maßnahmen, die den Alltag einschränken, sondern die bestehenden Gesetze müssen vernünftig vollzogen werden.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel erntete für ihre Flüchtlingspolitik Kritik. „Sie hat dafür gesorgt, dass Deutschland in Europa isoliert ist“, sagte Lindner. Dabei brauche man für dieses Problem Europa – im Gegensatz zu Schulmilchverordnungen. „Auch wenn vieles an dem Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern schrecklich ist, müssen wir einen positiven Aspekt herausziehen: Die Bundesregierung muss endlich ihre Flüchtlingspolitik ändern“, sagte Lindner, „wir haben immer noch kein Einwanderungsgesetz – dabei brauchen wir klare Regeln – für die Flüchtlinge, die auf Zeit bei uns Schutz suchen und für die Zuwander, die wir uns aber bitte nach unseren Kriterien aussuchen dürfen.“

Das großartige an der Verfassung sei, dass Deutschland offen für alle sei. „Wir respektieren das, egal an welchen Gott sie glauben“, sagte Lindner, „aber bei uns sind Karikaturen über den Papst und über Mohammed auch erlaubt.“ Er glaube, dass sich die Zuwanderer verändern müssten. „Deutschland darf sich nicht verändern“, betonte er, „das Wächteramt des liberalen Gedankens der Verfassung hat niemand übernommen, daher ist das Liberale wichtiger denn je.“