FDP warnt vor Zerschlagung der Schullandschaft

Jutta

 

Bereits am 7.3.2014 warnte die Celler FDP Kreistagsfraktion:

Grotesk ist das Verhalten der Parteien vor der Kommunalwahl geworden, die im September 2016 ansteht, so sieht es der Kreisvorsitzende der FDP im Landkreis Celle, Charles M. Sievers, von Beruf Realschullehrer. „Das neue Schulstrukturgutachten des Landkreises wird nicht nur viel Unruhe in die Schulen in Celle und im Landkreis bringen. Es ist auch die Art und Weise, wie die CDU/WG gemeinsam mit der SPD in unserem Landkreis mit den Oberschulen umgeht“, so Sievers weiter. Erst vor gut drei Jahren wurden flächendeckend im gesamten Landkreis alle damals noch eigenständigen Haupt- und Realschulen in Oberschulen umgewandelt. Bereits ein Jahr später wurde in Celle eine Integrierte Gesamtschule gegründet und das entgegen des damaligen Strukturgutachtens. Schon damals war klar gesagt worden: Entweder Oberschulen mit gymnasialer Oberstufe oder IGS. Die Kombination beider Schulformen sei reine Geldverbrennung. „Nun“ ist sich Sievers sicher, „wird das Bemühen der Oberschulkollegien mit Füßen getreten, das Engagement der Eltern in Abrede gestellt, ebenso der Fleiß der Schüler, eine neue Schulform mit Leben zu erwecken, ad absurdum geführt. Statt in der Vorosterzeit zu fasten, ist hier regelrecht ein Opferlamm gefunden worden: die Oberschule!“

Sievers, der damals bereits im Kreistag gegen die Einführung der Oberschulen gestimmt hatte, sieht sein Verhalten und seine Aufforderung nach Weitsicht bestätigt.

„Großes Entsetzen erfüllt mich“, so Sievers weiter, „ weil scheinbar niemand von CDU/WG, SPD oder Grünen den Mut hat, offen zu sagen, dass Gymnasien geschlossen werden müssen. Scheinbar ist auf der Opferbank der Oberschulen, auf der die neuen Gesamtschulen eingeführt werden, die Verblendung besonders groß! Die Oberschulen hätten alle mit einem gymnasialen Zweig versehen werden können. So wären dann die sogenannten IGS-Light entstanden. Das wollte man damals nicht, da es den Gymnasien geschadet hätte. Und was macht man nun?“ fragt der Kreisvorsitzende der Celler FDP. „Damals hätten man den Prozess entschleunigen müssen, so aber wurde blindlings und kopflos das Gespenst ‚Gesamtschule‘ bekämpft.“ Nun wird wieder überstürzt gehandelt und scheinbar ohne Gewissen werden weitere Oberschulen zur Abwicklung freigegeben. Erfolgreich und engagiert arbeitende Oberschulen im Landkreis stehen jetzt vor einer überaus ungewissen Zukunft. Das System der Oberschulen hätte eine Chance und die Zeit, diese nachhaltig zu erarbeiten, verdient gehabt.

Jutta Krumbach, Fraktionsvorsitzende der FDP im Kreistag Celle, rechnet bei Umsetzung des Gutachtens mit weiteren Schwierigkeiten bei der Lehrerversorgung. „Schon jetzt fällt eklatant viel Unterricht in Stadt und Landkreis aus.“ Die Unterrichtsversorgung an den Schulen im Landkreis Celle lag zum Stichtag im September 2015 nur noch bei 97,9 %, das war im Jahre 2014 noch 101 % und fiel somit 3,2 Prozentpunkte niedriger aus als noch im Vorjahr. „Das heißt, an den Schulen fällt bereits jetzt Unterricht nach Plan aus. Die Schüler leiden zunehmend unter diesem Bildungsabbau“, sagt Krumbach. „Die Inklusion ist bei weitem noch nicht abgeschlossen, aber schon beginnt die Celler Landkreispolitik damit, für diese Schüler abermals ein neues Umfeld zu schaffen, das sie in große Schwierigkeiten bringen könnte!“

Beste Bildung, wie sie die FDP fordert, wird auf diesem Wege nicht zu erreichten sein. „Das Niveau der Bildungsqualität wird weiter sinken, da Korrekturmöglichkeiten durch die rot-grüne Landesregierung seit diesem Schuljahr so gut wie ausgeschlossen werden.“ befürchtet Krumbach, die auch Mitglied im Schulausschuss des Landkreises ist. „Hier besteht die große Gefahr, dass die Gymnasien von der aktuellen Schulpolitik unterwandert, ausgeblutet und dann, über kurz oder lang, geopfert werden. Die Frage, die sich hier nicht nur mir stellt, ist“, so Krumbach, “ wie viele Veränderungen vertragen Schüler, Eltern und Lehrer noch?“ Was jetzt geplant wird, ist die Zerschlagung der Celler Schullandschaft.