Leerstände in der Schuhstraße

L1000635

 

Die CZ berichtete am 12.04.2016:

Dass neun Geschäfte in der Schuhstraße leer stehen und zwei Läden ihren Räumungsverkauf bewerben, beschäftigt auch die Celler Ratsfraktionen. Das Wohnen in der Altstadt müsse attraktiver werden, finden Grüne und Unabhängige. Die SPD will den Autoverkehr aussperren und die FDP fordert kostenlose Parkplätze.

ALTSTADT. Als Gründe nennt Stephan Ohl, stellvertretender Grüner Ortsbürgermeister, den Internethandel, die Ausbreitung der Ketten, Nachfolgefragen, aber auch „hausgemachte Versäumnisse“. So habe die Öffnung der Schuhstraße für den durchfahrenden Autoverkehr bisher nicht den Effekt erzielt, den die Befürworter des „Inneren Rings“ einst versprochen hätten.

Demgegenüber lägen die Entwicklung des Brandplatzes und des Wohnquartiers Schuhstraße brach, so Ohl. „Der Brandplatz ist einer der schönsten Plätze der Innenstadt. Nutzungskonzepte sind in Arbeitsgruppen bereits vor Jahren angesprochen worden, aber passiert ist bis heute nichts“, erklärt er. Ebenfalls werde seit Jahren über innerstädtisches Wohnen zwischen Nordwall und Schuhstraße gesprochen – ohne Folgen. Dabei biete die einwohnerstärkste Altstadtstraße viel Potenzial. Die Verwaltung müsse mit den Menschen vor Ort stärker kommunizieren. Es gehe unter anderem um mehr Grün, mehr öffentliche Sitzplätze und zeitgemäße Fahrradabstellplätze. Auch die Zukunft der städtischen Immobilie „Goldene Sonne“ müsse entschieden werden. Bislang biete sie bloß „einen trostlosen Anblick“, stellt der Grüne fest.

Auch der Unabhängigen-Fraktionsvorsitzende Udo Hörstmann meint, dass die Altstadt zum Wohnen attraktiver werden müsse. „Bisher lässt der Denkmalschutz die Innenstadt von innen verfallen“, erklärt er. So sei vor allem der Schutz der ursprünglichen Fassaden wichtig, doch im hinteren Bereich müsse es möglich sein, Wohnungen und Verkaufsflächen den Bedürfnissen entsprechend zu gestalten. Ein Positivbeispiel sei die Stadt Wismar. Zudem müsse die Stadt auch die Altstadt ordentlich begrünen, gerade wenn sie für die Bäume auf dem Neumarkt-Kreisel 120.000 Euro übrig habe. Darüber hinaus solle die Verwaltung den Geschäftsleuten helfen, ihren eigenen Internetauftritt zu entwickeln, so Hörstmann.

Ziel der SPD ist es, die Schuhstraße wieder zu sperren. Dafür werde aber der Endausbau des „Äußeren Ringes“ abgewartet, so Fraktionschef Jürgen Rentsch. Es soll nach dem Ausbau des Nordwalls das Gebiet zwischen Nordwall und Fritzenwiese entwickelt werden. Hier sind vor längerer Zeit mehrere Möglichkeiten im entsprechenden Ausschuss vorgestellt worden. „Die Zufahrt zu den Grundstücken kann dann vom Nordwall aus erfolgen, und die Schuhstraße zu einem attraktiven Teil der Fußgängerzone aufgewertet werden“, erklärt Rentsch. „Wir werden dazu zu gegebener Zeit die entsprechenden Anträge stellen.“

Dagegen schlägt die FDP gebührenfreies Parken in der Innenstadt vor. „Die Situation in der gesamten Altstadt rechtfertigt unkonventionelle Maßnahmen“, betont Ralf Blidon, Mitglied im Ausschuss für Wirtschaftsförderung. „Während sich die Einkaufszentren in den Randbereichen der Stadt auf Kunden einstellen, die mit dem Pkw nahezu direkt in den Laden fahren können, wird die Innenstadt zu einer eher mehr als weniger abgekapselten ‚Zone‘, von der die Kunden aus ideologischen Gründen ausgeschlossen werden.“ Den Innenstadt-Akteuren müsse geholfen werden. „Eine gebührenfreie ‚Erste Parkzeit‘ wäre ein Anfang. Das würde den Kunden signalisieren, in der Altstadt willkommen zu sein. Für den Stadthaushalt wäre das ein Verzicht an Einnahmen, für die Innenstadt käme dies einer Investition gleich.“

Dagny Rößler