Mit schwachen Schulen wird Deutschland abgehängt

29.11.2016 | Der internationale Bildungsvergleichstest TIMSS (Trends in International Mathematics and Science Study) zeigt erhebliche Schwächen im deutschen Schulwesen auf. Das mittelmäßige Niveau der Schüler sei „erschreckend und nicht akzeptabel“, rügte FDP-Generalsekretärin Nicola Beer im Interview mit der Huffington Post. Sie prangerte an, dass der Staat jährlich fast 700 Milliarden Euro im Sozialbereich ausgebe, aber nur 155 Milliarden Euro für Bildung. „Das kann nicht richtig sein. Wenn der Staat seine Bürger so gut ausbildet, dass sie ihr Leben selbst gestalten können, können wir am Sozialetat sparen“, betonte sie.

Beer schlug beispielsweise vor, zehn Milliarden Euro pro Jahr umzuschichten und in die Ausstattung von Schulen und Lehrerfortbildungen zu investieren und Kinder aus sozial schwächeren Familien besser zu unterstützen. „Der Staat sollte Schülern aus Hartz-IV-Familien ein Tablet zahlen – einen Schulranzen stellt er diesen Schülern sowieso“, hob sie hervor.

Bildungssystem ins digitale Zeitalter holen

Insgesamt müssten Deutschlands Schulen und Lehrer aus der Kreidezeit in das digitale Zeitalter geholt werden, so Beer weiter. Hierzu brauche es mehr Lehrerfortbildungsmaßnahmen, damit sie digitale Kompetenzen effektiv vermitteln könnten. „Wir wissen aus Studien, dass heutige Erstklässler nach ihrem Schulabschluss zu 60 Prozent in Berufen arbeiten werden, die es noch nicht gibt“, gab Beer zu bedenken.

Vor diesem Hintergrund sei die Qualität der Lehrkräfte und des Unterrichts von zentraler Bedeutung. Beer forderte leistungsorientierte Bezahlung, damit der Einsatz der Lehrkräfte auch honoriert werde. „Lehrer sind Helden des Alltags, sie haben einen unglaublich verantwortungsvollen Job. Da können wir uns keine schlechten Lehrer leisten“, unterstrich sie.

Hintergrund

Die TIMSS-Ergebnisse für 2015 wurden am Dienstag in Berlin vorgestellt. Die Grundschüler der vierten Klasse blieben in den Naturwissenschaften mittelmäßig und rutschen im Mathematik-Ranking ab. Viele Kinder beherrschten „gerade mal die Grundrechenarten“, so der deutsche TIMSS-Chef Wilfried Bos. Mathematisches Lernen in der Sekundarstufe I werde dieser Schülergruppe erhebliche Schwierigkeiten bereiten, erklärte er. Falls dieser Trend sich fortsetze, „muss man in Deutschland Angst haben, abgehängt zu werden“.

Die Ergebnisse zeichneten auch in anderen Bereichen des Schulsystems ein besorgniserregendes Bild: Nach wie vor hingen Kinder von Eltern mit Migrationshintergrund deutlich zurück und zwischen den Leistungen von Kindern aus armen und wohlhabenden Verhältnissen klafft weiterhin eine große Lücke.