Schulbezirke: FDP nimmt neuen Anlauf

Cellesche-Zeitung – 3. Juni 2017: Kräftiger Gegenwind ist Joachim Falkenhagen entgegengeweht, als der FDP-Fraktionsvorsitzende vor bald eineinhalb Jahren vorschlug, faktisch die Einzugsbezirke für die Grundschulen aufzuheben, um die Eltern selbst entscheiden zu lassen, auf welche Schule sie ihre Kinder schicken wollen. Bevor der Antrag offiziell abgelehnt werden konnte, vertagte die FDP ihn lieber und bringt ihn jetzt wieder auf die Tagesordnung. Der Grund: Falkenhagen sieht die Chance, unter dem neuen Oberbürgermeister Jörg Nigge doch noch an sein Ziel zu kommen.

Unter der Mende-Administration sah das anders aus. Dem FDP-Antrag stellte die Stadtverwaltung eine ganze Reihe von Argumenten entgegen. Grundschulen sollen wohnortnah sein, der Gesetzgeber schreibe Einzugsbezirke vor, der eh schon starke Hol- und Bringverkehr würde weiter zunehmen, den Schulen ginge die Planungssicherheit verloren und letztlich stehe die Gefahr im Raum, dass „sozial benachteiligte Schulen“, wie es die Bertelsmann-Stiftung genannt hatte, bei den Eltern nicht mehr gefragt seien.

Auch bei Grundschulen sollen Eltern entscheiden können

Falkenhagen hat auch heute noch kein Verständnis für diese ablehnende Haltung. „Die Krippe und den Kindergarten können die Eltern frei wählen und beim Übergang auf die weiterführenden Schulen gibt es auch keine Einzugsbezirke. Ich begreife nicht, warum man ausgerechnet bei den Grundschulen unüberwindbare Hindernisse sieht.“ Der FDP ginge es darum, die besonderen Fähigkeiten und Begabungen der Kinder bereits ab dem Grundschulalter zu fördern, wenn die Grundschulen ihre Schwerpunkte entsprechend ausbauen würden. Und dabei setzt Falkenhagen auf den neuen Oberbürgermeister.

„Ich weiß aus Erklärungen aus der Zeit des Wahlkampfes, dass Oberbürgermeister Jörg Nigge Sympathien für die Idee hat. Deswegen gehe ich davon aus, dass er objektiv und lösungsorientiert an das Thema herangehen wird“, sagt Falkenhagen. Eine Bestätigung für diesen Eindruck kommt aus der Celler Rektorenkonferenz, dem Gremium der Celler Grundschulleiter. Sprecher Detlev Soetbeer berichtet, dass die Schuleinzugsbezirke bei einem Treffen zwischen Nigge und den Schulleitern Thema gewesen seien. „Herr Nigge ist von der Idee, die Wahl der Grundschule freizugeben, sehr angetan. Er kommt aus Hamburg, dort gibt es auch keine Einzugsbezirke“, so Soetbeer.

Falkenhagen: Brennpunktschulen aufwerten

In der Rektorenkonferenz sei man allerdings mit großer Mehrheit dagegen, die Wahl der Grundschule freizugeben. Hauptargument: „Es wird befürchtet, dass dann einige Schulen, die in der Bevölkerung den Ruf eines Brennpunktes haben, von den Eltern abgewählt werden“, gibt Soetbeer die vorherrschende Meinung in dem Gremium wieder.

Oberbürgermeister Nigge äußert sich im Augenblick zu dem Thema übrigens nicht. Aus dem Neuen Rathaus heißt es nur: „Derzeit wird auf Grundlage eines Antrags die gesamtrechtliche Situation rund um die Einzugsbezirke aufgearbeitet und der Politik zur Verfügung gestellt. Die nächste Schulausschusssitzung findet am Donnerstag, 17. August, statt. Dort steht das Thema dann auf der Tagesordnung.“ Beraten wird dann auch der Antrag der AfD, den Einzugsbezirk für die Hehlentorschule aufzuheben, weil dort die Notenzeugnisse abgeschafft und so genannte Kompetenzrasterzeugnisse eingeführt wurden.