CZ: Windräder mit „Lizenz zum Töten“

CELLE. Fledermausschutz de luxe hat bisher den Bau des Mittelteils der Celler B3-Ortsumgehung verhindert. Dabei macht das Land Niedersachsen großzügige Ausnahmen, wenn es zum Beispiel um den Bau von Windkraftanlagen geht: Im Zuge der Energie-Wende dürfen Windkraft-Rotoren Fledermäuse schreddern. Windräder sind gut und Straßen sind schlecht – falls die rot-grüne Landesregierung unter dieser Prämisse Akzente in Sachen Landesentwicklung setzen sollte, dann hätten die Befürworter der Celler B3-Ostungehung ungleich schlechtere Karten als Windmüller. Der Celler FDP-Landtagsabgeordnete Jörg Bode fragt: „Ist die Celler Ortsumgehung weniger wichtig als ein Windrad?“

Bode war aufgefallen, dass es im Landkreis Harburg für vier Windparks Ausnahmegenehmigungen zum Töten von verschiedenen Fledermausarten gibt. Das hat ihm die Landesregierung in einer Antwort auf eine Anfrage bestätigt. „Für Windräder dürfen mit hoher Wahrscheinlichkeit also Fledermäuse geschreddert werden, für die Entlastung der Bürger in Celle ist schon ein sehr viel geringeres Risiko für diese Tierart zu groß“, sagt Bode. Jetzt hat er erneut eine Anfrage an die Landesregierung gestellt. Mit ihr will er unter anderem erfahren, ob sich das Land nicht auch für die Celler Ostumgehung ein Aufweichen des strikten Fledermausschutzes vorstellen könnte und ob das Land für eine Windkraftanlage neben der Straße in Altencelle eine Ausnahmegenehmigung für tödliche Fledermaus-Unfälle geben würde.

Bode: Beim Fledermausschutz wird mit zweierlei Maß gemessen

Es dürfe keinen „wilkürlichen Artenschutz“ in Niedersachsen geben, fordert Bode: „Dort, wo es gerade passt, wird der Artenschutz als Verhinderungsinstrument missbraucht, dort, wo es gerade nicht passt, hagelt es Ausnahmegenehmigungen mit der Lizenz zum Töten.“ Während die anlage- und die betriebsbedingten Auswirkungen von Straßen auf Fledermäuse kompensiert würden, könnten Windparks landesweit die Fortpflanzungs- und Ruhestätten sowie die Jagdhabitate der Fledermäuse beeinträchtigen: „Hinzu kommen noch betriebsbedingte Verletzungen durch Druckunterschiede im Nahbereich der Rotorblätter sowie ungezählte Tötungen durch Kollisionen. Ein Meideverhalten von Fledermäusen gegenüber Windkraftanlagen ist mir jedenfalls nicht bekannt.“ Schutzzäune an Straßen wie der geplanten Ostumgehung hingegen verhinderten Kollisionen.

Bode fordert vom Land die Gleichbehandlung von Infrastruktur und insbesondere Straßen mit den Projekten der Energiewende: „Wir werden hierzu auch weiter nachlegen. Sollte die Landesregierung es nicht schaffen, auch die Ostumgehung mit ähnlichen Privilegien oder unter Zurücknahme der Bedenken durch das Gericht in diesem Jahr endlich in den Bau zu bringen, so werden wir die Sonder-Genehmigungen der Windparke hinterfragen. Es kann nicht länger sein, dass Töten von artgeschützten Tieren bei Windenergieanlagen toleriert wird, aber bei Straßen schon eine Beeinträchtigung von gewissen Gruppen als Vorwand für Gerichtsverfahren zu Lasten der Anwohner genutzt wird.“ – CZ – Michael Ende